Aktuelles

Bernd Alois Zimmermann 100 Jahre

Vom 05. 04. 2018

 „Komponieren im Schnittpunkt der Medien“ – so lautet der Titel des musikwissenschaftlichen Symposions, das die Bernd-Alois-Zimmermann-Gesellschaft e.V. (BAZG) gemeinsam mit der Hochschule für Musik und Tanz Köln (HfMT Köln) anlässlich des einhundertsten Geburtstags von Bernd Alois Zimmermann (1918–1970) durchführt. Im Zentrum der dreitägigen Veranstaltung steht die Frage, wie der Komponist Klangliches mit anderen künstlerischen Disziplinen und Medien verknüpfte.

Das ebenso umfangreiche wie vielgestaltige Schaffen Zimmermanns ist auf mannigfaltige Weise verbunden mit Film, Theater, bildender Kunst, Literatur, Sprache, Tanz, Elektronik und Hörspiel. Davon zeugt die 1965 in Köln uraufgeführte Oper „Die Soldaten“, die den szenisch-musikalischen Raum auf spektakuläre Weise durch Simultanszenen sowie Film- und Tonbandeinspielungen erweitert. Das „Requiem für einen jungen Dichter“ (1967–69) entwirft mit groß angelegten Collagen historischer Tondokumente, literarischer und musikalischer Zitate ein komplexes politisch-kulturelles Panorama der Epoche. Hinzu kommen choreographisch inspirierte Kompositionen sowie Arbeiten für Hörspiel und Film. Zimmermanns medien- und genreübergreifende Ansätze gewannen vor allem posthum großen Einfluss auf nachfolgende Komponistengenerationen und sind im Digital- und Internetzeitalter aktueller denn je.

Ausgewiesene Zimmermann-Experten sowie junge Forscher beleuchten in Vorträgen die intermedialen Verflechtungen von Zimmermanns Œuvre aus musik-, medien- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven. Die thematisch gebündelten Vortragssektionen werden durch Audio- und Filmpräsentationen, Diskussionsrunden mit Komponisten und Interpreten sowie zwei programmatisch auf Themen des Symposions bezogene Konzerte ergänzt. Das erste Konzert steht unter dem Motto von Zimmermanns „Présence“ und präsentiert neben dem gleichnamigen Klaviertrio mit drei Tänzern und Sprecher aus dem Jahr 1961 auch ein neues Werk für dieselbe Besetzung sowie Zimmermanns Klavierwerke „Konfigurationen“ (1956) und „Monologe“ (1964). Das zweite Konzert bietet neben Zimmermanns „Tratto“ (1966/67) weitere im Studio für Elektronische Musik der Hochschule entstandene elektronische Werke von Zeitgenossen und Schülern sowie jungen Absolventen der Kölner Musikhochschule.

„Intermedialität“ ist nicht nur Thema des Symposions, sondern mit Konzerten, choreographischen Aufführungen und medialen Präsentationen auch die beherrschende Darstellungsform der Veranstaltung. Zimmermanns Schaffen lässt sich so mit allen Sinnen erkunden.

Programmheft

Zopf, Schaukel, Knall, Falte: Form und Forumung in Enno Poppes „Haare“, „Fingernagel“, „Trauben“ und „Buch“

Vom 15. 05. 2017

„Seine Musik ist einzigartig und unverwechselbar, eben poppesk! Wer sie einmal erlebt hat, wird sie wiedererkennen – und dennoch niemals wissen, wie ein Stück beginnt, verläuft und endet. So wie sich alle seine Stücke ähneln, und doch keines dem anderen gleicht, entspricht im Detail kein Ton dem anderen. Obwohl alles mit allem zusammenhängt, ist dennoch nichts identisch. Wie ein Phänomenologe will Poppe genau wissen, mit welchem Material er arbeitet, und dem Hörer zeigen, welcher Reichtum darin steckt. Scheinbar belanglose Einzeltöne, Intervalle, Tonwechsel oder Glissandi betrachtet er mit größter Akribie wie unter dem Rastermikroskop, indem er die komplexe Molekülstruktur der Partikel durch kompositorische Ausfaltung gleichsam vergrößert und in hörbare Verbindungen und Formverläufe bringt. Die Klarheit der jeweils individuell gewählten materialen Anordnung und prozessualen Entfaltung macht Poppes Werke bei all ihrer überraschenden Eigenart und Komplexität für den Hörer stets fasslich.“ (S. 5)

Musik-Konzepte Neue Folge Bd. 175 - Enno Poppe

Neuerscheinung

Vom 25. 09. 2013

Luigi Nono (1924–1990) und Helmut Lachenmann (*1935), zwei der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, waren durch ein außergewöhnliches Lehrer-Schüler-Verhältnis verbunden. Bei den Darmstädter Ferienkursen 1957 zeigte sich der damals 21jährige Musikstudenten Lachenmann vom charismatischen und international bekannten Avantgardisten Nono derart beeindruckt, dass er gleich im folgenden Jahr zu diesem als Schüler nach Venedig ging. Ihre Beziehung erlebte Lachenmann fortan als wechselhaften „Gang durch die Klippen“, mit intensivem Austausch von Ideen, Plänen und Kompositionen, mit persönlichen und künstlerischen Krisen, Zweifeln, Selbstzweifeln und hitzigen Kontroversen, die zu Zerwürfnissen, einer mehrjährigen „Funkstille“ und schließlich zu einer beständigen Freundschaft ebenbürtiger Gesprächspartner führten. Dokumentiert wird diese besondere Künstlerfreundschaft durch zahlreiche Briefe, Postkarten, Widmungen, Skizzen, Notizen, Semesterberichte und Vortragstexte, die hier erstmalig veröffentlicht, kontextualisiert und kommentiert werden. Es sind herausragende Quellen von allgemein musikhistorischem Aussagewert, die Nonos lebenslanges Suchen als Mensch und Künstler ebenso bezeugen wie Lachenmanns von Anfang an enge Verknüpfung von kompositorischer Praxis mit theoretischer Reflexion. Der teils private Charakter dieser Dokumente eröffnet zugleich neue Sichtweisen auf zentrale technische, ästhetische und (musik)politische Fragen der neuen Musik.

Breitkopf & Härtel